Unternehmen stehen heute vor einer zentralen Infrastrukturfrage: Wie viel eigene Hardware braucht ein modernes IT-Setup noch? Während klassische Server-Landschaften weiterhin ihre Berechtigung haben, gewinnen serverlose Architekturen rasant an Bedeutung. Sie versprechen weniger Administrationsaufwand, bessere Skalierbarkeit und ein verlässliches Kostenmodell. Doch was bedeutet „serverless“ in der Praxis – und ist dieser Ansatz für jedes Unternehmen sinnvoll?
Dass dieser Ansatz nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich attraktiv ist, zeigen aktuelle Analysen klar: Der Datadog State of Serverless Report 2023 dokumentiert, dass Unternehmen weltweit verstärkt auf serverlose Architekturen umsteigen. Der Einsatz von AWS Lambda ist innerhalb eines Jahres um rund 18 % gestiegen, und Organisationen betreiben heute etwa 30 % mehr Serverless-Funktionen pro Monat. Diese Entwicklung unterstreicht, wie stark Unternehmen von geringeren Betriebskosten und effizienter Skalierung profitieren – besonders dort, wo Auslastung stark schwankt und traditionelle Server schnell teuer werden.
Auch Gartner bestätigt diese Entwicklung und sieht Serverless Computing als einen der zentralen Trends, der den IT-Betrieb nachhaltig verändert. Weil Infrastrukturverwaltung weitgehend entfällt und Anwendungen schneller bereitgestellt werden können, verkürzt sich die Entwicklungszeit deutlich. Für viele Unternehmen – insbesondere KMU – entsteht dadurch ein spürbarer Vorteil: weniger operative Last, mehr Agilität und ein IT-Modell, das sich flexibel an geschäftliche Anforderungen anpasst.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie schneiden serverlose Architekturen im direkten Vergleich zu klassischen Serverlandschaften ab, und für welche Unternehmen lohnt sich der Umstieg wirklich?
Was bedeutet Serverless Computing?
Serverless Computing beschreibt einen Ansatz, bei dem Unternehmen Anwendungen ausführen können, ohne selbst Server zu betreiben oder zu verwalten. Das bedeutet nicht, dass keine Server mehr existieren – sie rücken lediglich in den Hintergrund. Die gesamte technische Infrastruktur, inklusive Betriebssystem, Hardware, Updates und Skalierung, übernimmt der Cloud-Provider.
Für Unternehmen bedeutet das einen klaren Vorteil: Sie müssen keine Rechenleistung mehr bereitstellen, sondern bezahlen nur für das, was ihre Anwendungen tatsächlich verbrauchen. Damit reduziert sich ein großer Teil des organisatorischen und technischen Aufwands, der in klassischen Serverlandschaften anfällt.
Serverless eignet sich besonders gut für Anwendungen, die flexibel wachsen sollen oder nur in bestimmten Momenten Rechenleistung benötigen.
Typische Einsatzbereiche sind:
- leichtgewichtige Business-Anwendungen
- API-Services
- Event-Verarbeitung (z. B. Logins, Uploads, Automationen)
- Microservices
Im Kern bedeutet Serverless also: weniger Administration, mehr Fokus auf die eigentliche Anwendung. Teams entwickeln und veröffentlichen Funktionen deutlich schneller, weil sie keine Infrastruktur im Voraus planen oder konfigurieren müssen. Dadurch profitieren gerade kleine und mittlere Unternehmen von einer höheren Agilität und einem deutlich schlankeren Betriebsmodell.
Während serverlose Modelle also vor allem durch Flexibilität, geringeren Aufwand und ein verbrauchsabhängiges Kostenmodell überzeugen, bleibt eine Frage offen: Wie schneiden sie im direkten Vergleich zu klassischen Serverlandschaften ab?
Denn auch wenn Serverless viele Vorteile bietet, gibt es weiterhin Szenarien, in denen Unternehmen bewusst auf eigene Server setzen – sei es aus Gründen der Kontrolle, der Sicherheit oder wegen bestehender Systeme, die sich nicht ohne Weiteres in die Cloud verschieben lassen.
Um beide Ansätze realistisch einordnen zu können, lohnt sich daher ein genauer Blick auf traditionelle IT-Infrastrukturen und die Herausforderungen, die mit ihrem Betrieb verbunden sind.
Klassische Infrastruktur: Kontrolle ja – aber teuer im Betrieb
Trotz der zunehmenden Verlagerung in die Cloud setzen viele Unternehmen weiterhin auf eine klassische Serverinfrastruktur. Dieser Ansatz bietet einen zentralen Vorteil: Unternehmen behalten die vollständige Kontrolle über Hardware, Konfigurationen und Sicherheitsmechanismen. Unternehmen betreiben ihre Systeme exakt nach den eigenen Anforderungen, und sensible Daten verbleiben in der eigenen Umgebung. Besonders in regulierten Branchen oder bei schwer migrierbaren Legacy-Anwendungen bleibt das ein starkes Argument.
Allerdings stehen diesen Vorteilen zahlreiche Herausforderungen gegenüber, die sich im laufenden Betrieb deutlich bemerkbar machen. Denn klassische Serverumgebungen verursachen nicht nur hohe Anfangsinvestitionen, sondern binden auch langfristig Ressourcen.
Dazu zählen unter anderem:
- Regelmäßige Sicherheitsupdates und Patches, die fortlaufend eingeplant werden müssen
- Hardware-Monitoring, um Ausfälle frühzeitig zu erkennen
- Störungsbehebungen und Ersatz defekter Komponenten, oft verbunden mit Ausfallzeiten
- Strom- und Kühlungsbedarf, der gerade bei wachsenden Umgebungen stark zunimmt
- Lizenzen und Wartungsverträge, die jährlich erneuert werden müssen
- Notfall- und Backup-Konzepte, die zusätzlichen Aufwand verursachen
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Unternehmen müssen Kapazitäten im Voraus planen und bereitstellen. Kalkulieren Unternehmen zu großzügig, zahlen sie für Ressourcen, die sie kaum nutzen. Planen Unternehmen zu knapp, stoßen ihre Systeme bei hoher Last schnell an Grenzen – und Erweiterungen sind oft zeit- und kostenintensiv.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen spüren diese Belastung deutlich, da sie selten über große IT-Teams verfügen. Die Folge: Ein erheblicher Teil der IT-Budgets fließt in Pflichtaufgaben, statt in strategische Weiterentwicklung oder Sicherheitsmaßnahmen.
Kurz gesagt: Klassische Server bieten zwar volle Kontrolle, sind aber in der Praxis mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden. Genau deshalb wächst das Interesse an flexibleren und besser skalierbaren Alternativen.
Serverless: Skalierbare IT ohne Administrationslast
Serverless-Modelle setzen genau dort an, wo klassische Infrastrukturen an ihre Grenzen stoßen. Statt Server selbst zu betreiben, übernehmen Cloud-Provider automatisch Wartung, Skalierung und Monitoring. Dadurch entfällt ein großer Teil des administrativen Aufwands, und Unternehmen können sich stärker auf ihre Anwendungen und Prozesse konzentrieren. Gleichzeitig entsteht ein flexibleres, verbrauchsabhängiges Kostenmodell, das besonders in dynamischen Umgebungen Vorteile bietet.
- Automatische Skalierung: Leistung wird je nach Bedarf automatisch erhöht oder reduziert – ganz ohne manuelle Eingriffe.
- Verbrauchsabhängige Kosten: Abgerechnet wird nur, was tatsächlich benötigt wird. Unverbrauchte Ressourcen verursachen keine Kosten.
- Weniger Wartungsaufwand: Updates, Sicherheitspatches und Monitoring werden zentral gesteuert. IT-Teams können sich stattdessen auf strategische Themen konzentrieren.
- Schnellere Entwicklung neuer Features: Anwendungen können ausgerollt werden, ohne vorher Infrastruktur bereitzustellen.
- Hohe Ausfallsicherheit: Viele Serverless-Dienste verteilen sich automatisch über mehrere Zonen oder Regionen.
Damit entsteht ein Betriebsmodell, das deutlich leichter zu steuern ist und Ressourcen dort freisetzt, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Unternehmen gewinnen mehr Handlungsspielraum, weil Infrastruktur nicht länger den Takt vorgibt. Serverless wird dadurch zu einer Option, die nicht nur Kosten senkt, sondern vor allem die Agilität und Zukunftsfähigkeit der gesamten IT stärkt.
Wann lohnt sich der Umstieg auf Serverless Computing – und wann nicht?
Ob Serverless die richtige Wahl ist, hängt stark davon ab, wie ein Unternehmen arbeitet, welche Anwendungen im Einsatz sind und welche Anforderungen an Stabilität, Sicherheit und Performance bestehen. Serverless ist kein Allheilmittel, aber es bietet klare Vorteile in bestimmten Nutzungsszenarien – besonders dort, wo Flexibilität und schnelle Anpassbarkeit im Vordergrund stehen.
Serverless lohnt sich besonders, wenn …
Bei Anwendungen mit stark schwankender oder schwer vorhersehbarer Auslastung spielt Serverless seine Stärken aus. Die automatische Skalierung sorgt dafür, dass die benötigte Leistung genau dann bereitsteht, wenn sie gebraucht wird – und nicht schon vorher teuer vorgehalten werden muss. Zudem profitieren Unternehmen, die schnell entwickeln und neue Funktionen ohne lange Infrastrukturvorbereitung ausrollen möchten.
Typische Situationen, in denen sich der Umstieg auszahlt:
- Unregelmäßige oder stark schwankende Lasten, bei denen klassische Server schnell über- oder unterdimensioniert wären
- Microservices-Architekturen, bei denen einzelne Funktionen unabhängig voneinander skalieren sollen
- kurze Entwicklungs- und Release-Zyklen, bei denen Teams Infrastruktur nicht manuell anpassen möchten
- limitierte interne Ressourcen, etwa in KMU, die Verwaltungsaufwand reduzieren wollen
- bedarfsgerechte Kostentransparenz, wenn Unternehmen genau wissen möchten, wofür sie zahlen
Serverless lohnt sich weniger, wenn …
Es gibt jedoch Szenarien, in denen serverlose Modelle an Grenzen stoßen. Manche Anwendungen benötigen eine durchgehend hohe und konstante Rechenleistung oder sind so eng mit bestehender Infrastruktur verknüpft, dass eine Migration kaum möglich ist. Auch regulatorische Vorgaben können dazu führen, dass Unternehmen Daten oder Systeme weiterhin selbst betreiben müssen.
Serverless ist daher weniger geeignet, wenn:
- dauerhaft hohe und gleichbleibende Rechenlast besteht, weil ein klassisches Setup dann oft günstiger ist
- extrem niedrige Latenzzeiten entscheidend sind, etwa bei industriellen Echtzeitsystemen
- komplexe Legacy-Systeme tief in bestehende Umgebungen integriert sind und nicht ohne Weiteres migriert werden können
- strenge regulatorische Anforderungen eine lokale Infrastruktur vorschreiben
Praktisches Fazit
In vielen Fällen zeigt sich: Die ideale Lösung liegt zwischen beiden Welten. Ein hybrider Ansatz verbindet die Kontrolle klassischer Infrastruktur mit der Flexibilität moderner, serverloser Komponenten. Dadurch können Unternehmen konkrete Vorteile nutzen, ohne ihre bestehenden Systeme vollständig umbauen zu müssen.
Fazit: Brauchen Unternehmen noch eigene Server?
Ja – aber deutlich weniger als früher. Serverless Computing bietet für viele Anwendungen deutliche Effizienz- und Skalierungsvorteile, insbesondere wenn Flexibilität, Schnelligkeit und ein schlankes Betriebsmodell im Vordergrund stehen. Klassische Server bleiben dort relevant, wo maximale Kontrolle, besondere Sicherheitsanforderungen oder technische Abhängigkeiten dies notwendig machen.
In der Praxis zeigt sich jedoch: Der optimale Weg liegt häufig in einer hybriden Architektur, die klassische Infrastruktur mit modernen Cloud- und Serverless-Komponenten kombiniert. So entsteht ein Setup, das sowohl stabil als auch zukunftsorientiert ist.
Damit dieser Übergang gelingt – und bestehende Systeme, Datenflüsse und Sicherheitsanforderungen sauber zusammengeführt werden – braucht es allerdings einen starken IT-Partner, der den gesamten Prozess fachlich begleitet. Von der Analyse über die Planung bis zur Umsetzung sorgt er dafür, dass die gewählte Lösung nicht nur technisch funktioniert, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist und langfristig trägt.