Unternehmensnetzwerke haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben klassischen Firmenlaptops greifen heute auch Smartphones, Tablets, IoT-Geräte, Maschinen und andere externe Geräte auf interne Systeme zu – oft ohne zentrale Kontrolle. Dadurch steigt nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Verwundbarkeit des Netzwerks. Außerdem werden immer mehr Technologien außerhalb der Sichtbarkeit der IT-Abteilungen verwendet. Aus diesem Grund wird Network Access Control (NAC) immer wichtiger.
Eine Gartner Studie aus 2025 unterstreicht diese Entwicklung deutlich: „Bis 2027 werden 75 % der Mitarbeitenden Technologien erwerben, verändern oder selbst entwickeln, ohne dass die IT dies sieht – ein Anstieg von 41 % im Jahr 2022.“
Dadurch entstehen Schattenbereiche, in denen Sicherheitsstandards und Compliance kaum noch kontrollierbar sind.
Parallel dazu nimmt die Nutzung unverwalteter Geräte rasant zu. Eine weitere Studie von 1Password zeigt zudem, dass 47 % der Unternehmen ihren Mitarbeitenden den Zugriff auf Unternehmensressourcen über nicht verwaltete Geräte erlauben – häufig geschützt durch reine Zugangsdaten, ohne zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Das ist besonders für KMU riskant: Sie haben häufig weniger personelle Ressourcen im IT-Bereich, aber eine hohe Abhängigkeit von stabiler IT-Infrastruktur.
Cyberkriminelle nutzen genau diese Schwächen gezielt aus: Denn kompromittierte oder ungesicherte Endgeräte zählen inzwischen zu den häufigsten Einstiegspunkten für Angriffe. Sobald sich ein infiziertes Gerät unkontrolliert mit dem Netzwerk verbindet, können Malware, Ransomware oder verdeckte Datenabflüsse unbemerkt ihren Lauf nehmen. Besonders kritisch: Viele Angriffe beginnen längst nicht über Server oder Anwendungen, sondern über Endpoints, die keine ausreichende Sicherheitsprüfung durchlaufen.
Deshalb braucht es einen neuen Ansatz: Es reicht nicht, nur die Daten zu schützen – der Zugang zum Netzwerk muss kontrolliert werden: Network Access Control (NAC).
Network Access Control (NAC) prüft jedes Gerät, bevor es sich verbinden darf – und sorgt dafür, dass nur autorisierte, sichere und konforme Hardware ins Unternehmensnetz gelangt.
Was ist Network Access Control (NAC)?
In modernen Unternehmensnetzwerken sind längst nicht mehr nur klassische Firmenrechner im Einsatz. Denn Mitarbeitende bringen private Smartphones mit, Lieferant:innen verbinden ihre Geräte mit dem WLAN, und auch IoT-Hardware gelangt ins Netzwerk – häufig ohne ausreichenden Schutz.
Genau hier setzt Network Access Control (NAC) an: Die Technologie sorgt dafür, dass nur Geräte mit Erlaubnis und einem sicheren Zustand auf das Firmennetzwerk zugreifen dürfen. NAC-Lösungen überprüfen jedes Gerät, das sich verbinden möchte, und entscheiden anhand definierter Richtlinien:
- Darf dieses Gerät ins Netzwerk?
- Falls ja: In welchen Bereich?
- Erfüllt es alle Sicherheitsanforderungen?
Vereinfacht gesagt ist NAC eine Art Zugangskontrolle – vergleichbar mit dem Eintritt in ein Bürogebäude. Es reicht nicht, einen Schlüssel zu besitzen, um überall hineinzukommen. Nur wer zusätzlich berechtigt ist, darf bestimmte Räume betreten.
So verhält es sich auch im Netzwerk: Selbst wenn ein Gerät eine Verbindung aufbauen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass es vollen Zugriff erhält.
Wie funktioniert Network Access Control (NAC)?
Network Access Control (NAC) bündelt mehrere Sicherheitsfunktionen, um sicherzustellen, dass ausschließlich vertrauenswürdige, geprüfte und berechtigte Geräte auf das Unternehmensnetzwerk zugreifen dürfen. Dabei arbeiten NAC-Systeme nicht statisch, sondern reagieren kontinuierlich – denn moderne Netzwerke sind dynamisch: Geräte verbinden sich, ändern ihren Standort oder wechseln sogar ihre Konfiguration.
Im Detail besteht ein NAC-System typischerweise aus fünf Schritten:
1. Geräteidentifikation: Wer oder was will rein?
Zunächst identifiziert das NAC-System jedes Gerät, das eine Verbindung anfordert. Dabei werden Merkmale wie MAC-Adresse, digitales Zertifikat oder Benutzer:innen-Login herangezogen.
Das lässt sich gut mit dem Check-in am Flughafen vergleichen: Auch dort wird jede Person vor dem Boarding eindeutig überprüft.
2. Authentifizierung: Ist dieses Gerät überhaupt berechtigt?
Nachdem das Gerät erkannt wurde, prüft das System im nächsten Schritt, ob es tatsächlich Zugriff erhalten darf. Die Authentifizierung kann stattfinden durch:
- Benutzer:innen-Anmeldung mit Passwort oder Zertifikat
- Integration mit Verzeichnisdiensten (z. B. Microsoft Entra ID / Active Directory)
- 802.1X-Netzwerkauthentifizierung über Switches und Access Points
Ohne erfolgreiche Authentifizierung bleibt der Zugang blockiert.
3.Security-Compliance-Check: Ist das Gerät sicher genug?
Ein Gerät kann zwar autorisiert sein – aber dennoch ein Risiko darstellen, zum Beispiel wenn Sicherheitsupdates fehlen oder Schadsoftware aktiv ist. Vor dem Zugang wird geprüft, ob das Gerät den Sicherheitsanforderungen entspricht, z. B.:
- aktuelle Betriebssystem-Version
- aktiver Virenschutz
- eingeschaltete Firewall
- Unternehmensrichtlinien erfüllt
Erfüllt das Gerät die Anforderungen nicht, wird es automatisch eingeschränkt oder in ein separates Netzwerk abgeschottet. Geräte, die die Anforderungen nicht erfüllen, landen in einem Quarantäne-Netzwerk oder erhalten nur minimalen Zugriff.
Beispiel:
Ein privates Smartphone ohne PIN-Schutz oder veraltete Patch-Version wird automatisch blockiert oder auf ein Gäste-WLAN beschränkt.
4. Dynamische Zugangskontrolle: Wer darf wohin?
Sobald Identifikation und Sicherheitsprüfung abgeschlossen sind, weist das NAC-System dem Gerät ein passendes Netzwerksegment zu.
Das ist ein Kernelement moderner Zero-Trust-Architekturen.
Typische Kategorien sind:
- Vollzugriff für Firmen-Laptops
- eingeschränkter Zugriff für BYOD-Geräte
- isoliertes Netzwerk für IoT-Hardware
- Gäste-WLAN für externe Personen
Damit wird nicht nur der Zugang kontrolliert, sondern welche Bereiche eines Netzwerks erreichbar sind.
5. Kontinuierliche Überwachung: Bleibt das Gerät vertrauenswürdig?
NAC arbeitet nicht nach dem „einmal prüfen – immer freigeben“-Prinzip. Stattdessen überwacht es den Gerätestatus während der gesamten Verbindung.
Sobald ein Risiko entsteht – etwa durch:
- neue Malware
- veränderte Konfiguration
- deaktivierten Virenschutz
- unerlaubte Softwareinstallation
- ungewöhnliches Netzwerkverhalten
wird der Zugriff automatisch angepasst oder sofort entzogen.
Das verhindert z. B., dass infizierte Geräte sich später im Netzwerk ausbreiten.
Warum ist Netzwerk-Kontrolle für KMU wichtig?
Gerade kleine und mittlere Unternehmen unterschätzen oft, wie viele Geräte Zugriff auf ihre Netzwerke bekommen – und welche Risiken dadurch entstehen. Genau hier setzt Network Access Control (NAC) an – denn es bietet gleich mehrere entscheidende Vorteile:
1. Kontrolle über Geräte und Zugriffe
Ohne NAC wissen viele Unternehmen gar nicht genau, welche Geräte aktuell mit dem Netzwerk verbunden sind. Mit NAC hingegen lässt sich genau festlegen, wer wann auf welche Systeme zugreifen darf.
Das betrifft:
- Firmenhardware
- private Geräte (BYOD)
- Geräte externer Partner:innen
- IoT-Hardware (Drucker, Kameras, Sensoren)
Unternehmen entscheiden selbst: Wer darf wohin – und wer nicht?
2. Schutz vor unsicheren Endpoints
Viele Cyberangriffe beginnen bei einem einzigen Gerät – oft ist es nicht ausreichend geschützt oder veraltet. Ohne NAC breitet sich Schadsoftware von einem kompromittierten Gerät unter Umständen ungehindert im gesamten Netzwerk aus.
Ein NAC-System erkennt solche Risiken frühzeitig und kann automatisch eingreifen. Es blockiert zum Beispiel:
- veraltete Geräte
- infizierte Endpoints
- Geräte ohne aktiven Virenschutz oder aktuelle Sicherheitsupdates
Damit wird das Netzwerk aktiv vor Schwachstellen geschützt.
3. Transparenz über das gesamte Netzwerk
Transparenz ist die Grundlage jeder IT-Sicherheit: Wer ist aktuell verbunden? Welche Geräte sind aktiv – und wie sicher sind sie wirklich?
NAC liefert diese Antworten in Echtzeit und verschafft IT-Teams den nötigen Überblick:
- welche Geräte aktiv sind
- welche Betriebssysteme verwendet werden
- ob Geräte den Sicherheitsrichtlinien entsprechen
- wie der Netzwerkverkehr sich verhält
Diese Transparenz hilft nicht nur beim Schutz, sondern erleichtert auch Audits, das Reporting und die Umsetzung von Compliance-Vorgaben.
4. Weniger Risiko für Datenlecks und Cyberangriffe
Strenge Zugangskontrollen senken die Gefahr erfolgreicher Angriffe erheblich. Denn wenn nur berechtigte und sichere Geräte ins Netzwerk dürfen, reduziert sich automatisch die Angriffsfläche.
Das bedeutet konkret:
- Malware kann sich nicht ungehindert ausbreiten
- sensible Bereiche sind besser geschützt
- Fehlkonfigurationen oder unerkannte Geräte werden vermieden
Gerade für KMU ist das entscheidend. Studien zeigen: Mittelständische Unternehmen sind besonders häufig Ziel erfolgreicher Cyberangriffe – oft, weil grundlegende Sicherheitsmaßnahmen fehlen.
Welche Lösungen gibt es?
Für die Umsetzung von Network Access Control (NAC) gibt es mehrere technische Lösungsansätze, die sich in Aufwand, Funktionsumfang und Integration unterscheiden.
Im Wesentlichen lassen sich vier Lösungsvarianten unterscheiden:
- Agent-based NAC: Dabei wird auf jedem Gerät ein kleiner Software-Agent installiert, der prüft, ob das Gerät den festgelegten Sicherheitsrichtlinien entspricht. Vorteil: Sehr präzise Kontrolle, da der Agent tiefen Zugriff auf Geräteeinstellungen hat. Nachteil: Die Installation und Verwaltung sind aufwendiger – vor allem bei privaten oder externen Geräten (BYOD).
- Agentless NAC: Diese Lösung funktioniert netzwerkbasiert und erkennt Geräte anhand technischer Merkmale wie MAC-Adresse oder IP – ohne dass zusätzliche Software auf dem Gerät nötig ist. Ideal für Geräte von Gästen, Lieferant:innen oder IoT-Komponenten, bei denen keine Installation möglich oder sinnvoll ist.
- Hardwarebasierte NAC: Hier übernehmen Netzwerkkomponenten wie Switches oder WLAN-Controller selbst die Zugriffskontrolle. Diese Variante eignet sich vor allem für größere Unternehmen mit komplexer Infrastruktur. Der Vorteil: NAC ist direkt im Netzwerk verankert – mit hoher Geschwindigkeit und Stabilität. Der Nachteil: In der Anschaffung meist kostenintensiver.
- Cloudbasierte NAC-Systeme: Gerade für KMU sind cloudgestützte Lösungen interessant. Sie lassen sich schnell implementieren, sind flexibel skalierbar und erfordern keine zusätzliche Hardware. Vorteil: Geringer interner Aufwand, automatische Updates, einfache Verwaltung. Nachteil: Abhängigkeit von externen Dienstleistern und stabile Internetverbindung notwendig
Typische Funktionen moderner NAC-Tools:
- Erkennung von Nutzer:innen und Geräten
- Zentrale Verwaltung von Sicherheitsrichtlinien
- Segmentierung des Netzwerks nach Gerätetyp
- Überwachung in Echtzeit
- Automatische Isolierung unsicherer Geräte
Network Access Control richtig einführen
Damit NAC im Unternehmensalltag zuverlässig funktioniert, ist ein klares und strukturiertes Vorgehen notwendig. Nur wenn Prozesse, Zuständigkeiten und technische Anforderungen klar definiert sind, kann ein NAC-System seine volle Wirkung entfalten.
Die folgenden sechs Schritte zeigen, wie Unternehmen NAC erfolgreich einführen können.
1. Netzwerk analysieren
Bevor NAC zum Einsatz kommt, sollten Unternehmen genau analysieren, welche Geräte im Netzwerk aktiv sind – und an welchen Stellen Sicherheitsrisiken entstehen könnten. Dazu gehören Firmenlaptops ebenso wie mobile Geräte, IoT-Komponenten, Drucker oder private Smartphones im Rahmen von BYOD.
Diese Bestandsaufnahme schafft die Grundlage, um den Zugriff später gezielt zu regeln – und Sicherheitslücken frühzeitig zu identifizieren.
2. Sicherheitsrichtlinien definieren
NAC-Systeme benötigen klar formulierte Zugriffsrichtlinien als Entscheidungsgrundlage. Deshalb sollten Unternehmen festlegen, welche Gerätetypen ins Netzwerk dürfen, welche Sicherheitsanforderungen sie erfüllen müssen (z. B. Virenschutz, Verschlüsselung, aktuelle Updates) und auf welche Bereiche sie Zugriff haben.
Diese Richtlinien sollten an das Risikoprofil des Unternehmens angepasst sein – und im Idealfall mit bestehenden IT-Sicherheitsrichtlinien harmonieren.
3. NAC-Lösung auswählen
Zur Auswahl stehen unterschiedliche NAC-Systeme: agentenbasiert, agentenlos, lokal installiert oder cloudgestützt. Welche Lösung die richtige ist, hängt von der Unternehmensgröße, der vorhandenen Infrastruktur und dem gewünschten Automatisierungsgrad ab.
KMU profitieren oft von schlanken, cloudgestützten NAC-Tools, die sich schnell implementieren lassen und wenig Ressourcen benötigen. Wichtig ist, dass die Lösung gut mit bestehenden Tools wie Firewalls, AD, MDM oder SIEM-Systemen zusammenspielt.
Abhängig von:
- Unternehmensgröße
- vorhandener Infrastruktur
- Anzahl der Endpoints
- BYOD-Konzept
- Cloud- oder On-Premises-Strategie
4. Testphase durchführen
Bevor das System unternehmensweit eingesetzt wird, empfiehlt sich eine Testphase in einem begrenzten Netzwerkbereich – zum Beispiel mit ausgewählten Geräten und Nutzenden. So lassen sich Richtlinien und Reaktionen der Lösung unter realen Bedingungen prüfen, ohne das gesamte Netzwerk zu gefährden.
Gezielte Anpassungen bei Erkennung, Authentifizierung und Quarantäne helfen dabei, Fehlalarme zu reduzieren und einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen.
5. Mitarbeitende einbinden
Damit NAC langfristig erfolgreich ist, braucht es die aktive Einbindung der Mitarbeitenden. Deshalb ist es wichtig, die Mitarbeitenden frühzeitig zu informieren und für das Thema zu sensibilisieren.
Eine verständliche Kommunikation beugt Unsicherheiten vor – etwa wenn ein Gerät blockiert wird, weil es nicht den Sicherheitsvorgaben entspricht. Ein kurzer Leitfaden oder eine interne FAQ kann hier viel bewirken.
6. Laufende Überwachung
NAC ist kein statisches System – Netzwerke, Geräte und Bedrohungslagen verändern sich laufend. Deshalb muss auch das NAC-System regelmäßig überprüft und an neue Anforderungen angepasst werden.
Wichtig ist ein kontinuierliches Monitoring: Nur so erkennen IT-Verantwortliche, ob alle Geräte korrekt geprüft werden, wo es zu Blockierungen kommt und ob neue Sicherheitsrisiken entstehen. Automatisierte Alerts und regelmäßige Reports erleichtern dabei den Überblick.
Fazit: NAC als Baustein der IT-Sicherheit
Network Access Control (NAC) ist kein Ersatz für andere IT-Sicherheitsmaßnahmen – aber ein zentraler Baustein jeder modernen Sicherheitsstrategie.
Gerade für KMU kann NAC den entscheidenden Unterschied machen. Denn die Technologie stellt sicher, dass nur berechtigte und sichere Geräte Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk erhalten – und dadurch Risiken deutlich verringert werden.
Gerade KMU profitieren von NAC-Lösungen, die:
- Angriffsflächen reduzieren
- Compliance vereinfachen
- Zero-Trust-Strategien unterstützen
- IT-Teams entlasten
Angesichts wachsender Bedrohungen und der steigenden Zahl an Geräten im Unternehmensnetz lohnt sich eine Investition in NAC-Lösungen ganz besonders – vor allem dann, wenn mobile Geräte, BYOD oder externe Partner:innen eingebunden sind.
Net Professionals unterstützt Sie dabei gerne:
Von der Planung über die Tool-Auswahl bis hin zur Einführung begleiten wir Sie – damit Ihre IT nicht nur funktioniert, sondern geschützt ist.